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Slow Food: Vorschläge zur EU-Agrarpolitik nicht genug


Italy - 12 Oct 11

Wachstum und Entwicklung erfordern mutige Entscheidungen Die Europäische Kommission hat am Mittwoch Vorschläge zur Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) 2014-2020 vorgestellt. Die Erklärung von EU-Kommissar Ciolos und eine erste Ansicht des veröffentlichten Textes erwecken den Eindruck, die Agrar-Lobby und die Regierungen haben die im Vorfeld verkündeten Absichten für eine nachhaltigere GAP deutlich schwächen können. Es scheint als ob in Brüssel vor allem die Interessen der großen Agrarunternehmen repräsentiert werden, und man nicht die Courage hat, Maßnahmen für eine gerechtere europäische Agrarpolitik zu ergreifen, so die Kritik des internationalen Slow Food Vereins. Die angesetzte Reform sollte es der europäischen Landwirtschaft ermöglichen, sich den Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte stellen zu können, und nicht die Praktiken und Interessen einer vergangenen Ära repräsentieren. Auch wenn die Abschaffung der veralteten Vergabekriterien von Subventionen und die Einführung einer Höchstgrenze für Fördergelder zu begrüßen ist, lässt sich nicht der Wille erkennen, die Vorherrschaft der Agrarindustrie zu begrenzen und nachhaltig arbeitende kleine und mittlere Betriebe zu unterstützen. Der vorgelegte Text enthält nicht genügend konkrete Maßnahmen, um die Arbeit und die Leistungen der kleinen Landwirtschaftsbetriebe für den Umweltschutz zu würdigen, auch wenn ihre zentrale Rolle anerkannt wird. Den Maßnahmen zur Unterstützung von ökologischen, nachhaltigen Wirtschaftsmodellen fehlt es an Schärfe. Es ist keine gesteigerte Förderung des Umweltschutzes in der Politik zur Entwicklung des ländlichen Raumes vorgesehen, ebenso wenig wie weitere Mittel zur Bewahrung der biologischen Vielfalt. Positive Entwicklungen in den Vorschlägen der EU-Kommission sind nach Ansicht von Slow Food die Stärkung der Produzentenverbände und berufsunabhängigen Organisationen, die Förderung von kurzen und ausgewogenen Produktionsketten, die Förderung von Wissens- und Erfahrungssaustausch zwischen den Generationen, die Unterstützung von Bauern, die finanzielle Förderung von jungen Landwirten sowie einer größeren Achtung und Beachtung regionaler Unterschiede. Slow Food arbeitet in den kommenden Monaten weiter daran, die Europäischen Kommission mit den Positionen in dem von Slow Food verfassten Dokument Zu einer gemeinsamen Agrarpolitik vertraut zu machen, um die landwirtschaftliche Entwicklung mit gleichzeitiger Bewahrung der Agrobiodiversität, der Territorien und ihrer lokalen Wirtschaft, sowie der Würdigung der bäuerlichen Arbeit sicherzustellen. Slow Food Deutschland unterstützt als Mitträger die Initiative Bauer hält Hof der Kampagne Meine Landwirtschaft, welche im Dialog zwischen Landwirten, Verbrauchern und Entscheidungsträgern Fragen stellt und Lösungen für eine tatsächliche gemeinsame Agrarpolitik sucht. Auftakt der bundesweiten Aktion ist am 16. Oktober 2011 in Schleswig-Holstein. Hier die Kurzfassung des Dokuments Zu einer gemeinsamen Agrarpolitik Weitere Informationen finden Sie auf unseren Webseiten: www.slowfood.com/international/food-for-thought/slow-themes/102602 www.slowfood.de/ www.meine-landwirtschaft.de/


 


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