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Piratenfischerei


Im April 2001 machten die australischen Behörden in den Hoheitsgewässern in der Nähe der Antarktis die South Tommy aus, die illegal den Schwarzen Seehecht fischte, eine sehr gesuchte, aber schwer überfischte Art. Die Behörden verfolgten das Schiff über 4100 km, bevor es ihnen gelang, es vor dem Kap der Guten Hoffnung für eine Inspektion anzuhalten. Es handelte sich um einen nationenübergreifenden Fall: Das Schiff war in Togo registriert, der Kapitän war Europäer, und die Australier kamen mit Hilfe der südafrikanischen Marine an Bord.

 

Piratenfischerei oder illegale Fischerei wird in der Fachsprache der EU als IUU-Fischerei bezeichnet: illegal, ungemeldet und unreguliert.

IUU-Fischerei ist ein globales Phänomen, sie kommt in Küstengewässern ebenso wie auf hoher See vor. Sie trägt dazu bei, die Fischbestände zu verarmen und schädigt die Maßnahmen für den Schutz und Wiederaufbau der Bestände. Es handelt sich um unlauteren Wettbewerb gegenüber denen, die legal arbeiten, und ist eine Bedrohung für das Überleben der Küstenbevölkerung. Es ist schwer, genaue Daten über das Ausmaß des Phänomens zu sammeln, da es sich per se um eine verborgene Tätigkeit handelt. Nach zuverlässigen Schätzungen soll der Umsatz der Piratenfischerei mindestens 10-20 Milliarden Dollar betragen und einen erheblichen Anteil des Gesamtfangs darstellen. Tausende von Fischereischiffen, die unter Billigflaggen oder ganz ohne Flagge fahren, durchpflügen ständig die Meere. Viele stammen aus der aufgegebenen Flotte der ehemaligen Sowjetunion. In vielen Fällen handelt es sich bei der IUU-Fischerei um organisierte Kriminalität: Die Herkunft des illegal gefangenen Fisches wird so gut verschleiert, dass er auf den Fischmärkten zusammen mit „regulärem“ Fang verkauft wird. Die Europäische Kommission schätzt, dass der Import von „Piratenfisch“ innerhalb der EU mindestens 1,1 Milliarden Euro ausmacht. Hauptgrund für die Piratenfischerei ist – wie bei allen Umweltverbrechen – der wirtschaftliche Anreiz. Sie ist in gewissen Fällen in großem Maßstab aufgebaut mit organisierten Netzwerken, Geldwäsche und „Wäsche“ der Fischprodukte, Korruption, Drohungen und Aggressionen gegen die Kleinfischer. Sie nutzt Praktiken, die das Gesetz, vor allem das internationale Recht, auf allen Ebenen der Produktionskette verletzen: verbotene Fangtechniken, Umladung, um die Herkunft des Fangs zu verschleiern, Fahren unter Billigflaggen oder völlig ohne Flagge, Beamtenbestechung, falsche Etiketten, Austausch von Arten usw.

 

In Italien zum Beispiel ist die organisierte Kriminalität in der Fischerei im ganzen Süden sehr präsent. In Asien gibt es sehr viele Schiffe, die von der indonesischen Mafia gesteuert werden.

 

Piratenfischerei beraubt die Entwicklungsländer ihrer kostbaren Ressourcen für die Ernährung und Wirtschaft. Laut Greenpeace verliert beispielsweise Guinea über 100 Millionen Dollar pro Jahr auf diese Weise. Dieses kolossale Geschäft ist eine Katastrophe auch für die biologische Vielfalt. Die Tiefsee, wo die Piratenschiffe immer häufiger ihr Unwesen treiben, besteht zum größten Teil aus sehr tiefen Gewässern, die bis in jüngste Zeit nahezu unerforscht blieben. Derzeit wird dieses immense Gebiet des Planeten zum Studiengegenstand der Wissenschaftler, die hier einen reicheren, aber auch sehr viel verletzlicheren Lebensraum als die Küstengewässer entdecken.

 

Ausführlichere Informationen:

Environmental Justice Foundation

Illegal Fishing

WWF

High Seas


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